10 Expertentipps, wie Sie Ihre passive IT-Infrastruktur zukunftssicher gestalten.

Alle fünf bis zehn Jahre werden IT-Infrastruktur-Komponenten in der Regel ausgetauscht. Ein höherer Datendurchsatz, mehr Speicherkapazität, Sicherheit, Flexibilität und Funktionalität sind einige der Gründe. Die Vernetzung erfolgt meist kabelgebunden und soll am besten über Jahrzehnte flexibel den zukünftigen wachsenden Anforderungen standhalten – auch wenn sie nicht immer eindeutig definiert sind. Christian Priske aus dem Bechtle Networking Solutions Presales Team erläutert, was bei der Vernetzung auf passiver Seite zu beachten ist.

1.

Herr Priske, Hand aufs Herz: Versteht der spezialisierte Elektriker nicht mehr von der Vernetzung  sprich von Kabeln, Spleißen, Verlegung und Regularien – als der Netzwerker?

Das sollte man annehmen dürfen. Leider trifft das meist nur auf einige Teilaspekte zu. Oft wird an bewährten Designs festgehalten, obwohl diese überholt oder ineffizient für den Kunden sind. Manche Publikationen werden gar falsch interpretiert und die vermeintliche Innovation stellt sich bei der späteren Implementierung als Nachteil heraus. Eine typische Fehlinterpretation ist beispielsweise: „Single-Mode Kabel sind für höhere Bandbreiten besser geeignet und somit zukunftssicherer.“ Ergo werden schon einmal mit Single-Mode (SM) anstelle Multi-Mode (MM) Glasfaser verlegt. Tatsächlich schreitet die Entwicklung der optischen Transceiver für beide Fasertypen voran. Pauschal lässt sich nur sagen, dass SM-Fasern ab Distanzen von circa 500 Metern vorteilhafter sein können und für längere Distanzen jenseits von ein bis zwei Kilometern zwingend erforderlich sind. Eine generelle Aussage kann man also nicht treffen, da es auf den Einsatzzweck ankommt.

 

christian_priskeChristian Priske
Presales Networking Solutions
Bechtle Systemhaus Holding AG
christian.priske@bechtle.com

 

2.

Woran erkenne ich einen geeigneten Spezialisten für passive Datentechnik?

Lassen Sie sich ein Prüfprotokoll als Muster zeigen. Neben Länge und Dämpfung sollten weitere Werte enthalten sein, die die Eignung für Datenraten von beispielsweise 40 Gb/s bestätigen. Seine dafür teuer angeschafften Spezialmessgeräte sollte er benennen können. Erfolgreiche Implementierungen von Netzen mit 10, 40 oder 100 Gb/s sollte er auf der Passivseite vorweisen können. Modulare Patchpanel und MTP/MPO-Verbindungen sind ebenso fester Bestandteil im Portfolio eines Spezialisten.

 

3.

Wann ist es an der Zeit, den Netzwerker mit ins Boot zu holen? .

Manchmal liegen schon Angebote über aktive Netzwerkkomponenten vor, ohne dass die Bestandsverkabelung gebührend berücksichtigt wurde. Unser Anspruch ist es, diese Dinge vorab zu klären – am besten in Abstimmung mit dem Elektriker und dem Kunden. Wir planen im Verlauf eines Jahres sehr viele neue Netzwerke, während die IT-Abteilungen unserer Kunden grundlegende Designänderungen oder komplette Neuplanungen nur alle fünf bis zehn Jahre angehen müssen.

 

Ein Nachrüsten ist vielfach aufwändiger als eine gute Planung vorab. Gemeinsam mit unseren spezialisierten Partnern finden wir Lösungen, die sehr individuell ausfallen können.

 

4.

Was ist bei der Verkabelung im Kontext von Industrie 4.0 und Internet of Things zu beachten?

Machine-to-Machine-Kommunikation und eine Vielzahl an Sensorik kann eine umfassende Verkabelung voraussetzen. Nicht immer sind Ethernet-Kabel ausschließlich die erste Wahl. KNX/EIB-Bus-Verkabelungen können ring-, sternförmig oder als Kette erfolgen. Die Datenverteiler sind Elektroschaltschränke, in denen Bausteine mit Ethernet-Schnittstelle auf der Hutschiene montiert sind. Sensoren wie Entfernungsmesser und Temperaturfühler kommen nicht nur in Produktionsumgebungen zum Einsatz. Auch in Hotels, Krankenhäusern und Bürogebäuden können Licht, Brandmelder, Schließanlagen, Klimatechnik und Fensterbeschattung intelligent vernetzt werden. Ein Nachrüsten ist vielfach aufwändiger als eine gute Planung vorab. Gemeinsam mit unseren spezialisierten Partnern finden wir Lösungen, die sehr individuell ausfallen können.

 

5.

Wäre eine Wireless-Lösung nicht viel einfacher umzusetzen? .

Für mobile Lösungen sind Funksysteme oftmals eine zwingende Voraussetzung. Auch die Anbindung stationärer Systeme wäre schnell und flexibel realisierbar, sofern die Schnittstellen vorhanden oder nachrüstbar sind. WLAN als primären Zugangspunkt für Endgeräte zu nutzen, wird von manchen Kunden schon konsequent umgesetzt. Gerade in Mietgebäuden und denkmalgeschützten Objekten ist das eine Option. Allerdings benötigen auch Access Points eine Stromversorgung und damit bevorzugt einen LAN-Anschluss mit PoE (Power over Ethernet). Durch WLAN entfällt demnach der Verkabelungsaufwand nicht vollständig, wird in der Fläche aber deutlich reduziert. Zudem muss man einräumen, dass kabelgebunden nach wie vor höhere Bandbreiten erreichbar sind. Die Wireless-Frequenzen kann man nicht immer exklusiv nutzen und auch Störeinflüsse müssen berücksichtigt werden. Auch Redundanzen und schnelle Umschaltzeiten im Fehlerfall sind kabelgebunden mit höherer Betriebssicherheit realisierbar. Ausschlaggebend für die Wahl der Konnektivität ist insbesondere in Industrieumgebungen oftmals die tolerierte Latenz einiger Anwendungen. Echtzeitanforderungen können zum Ausschlusskriterium für Wireless-Netze werden.

 

Nur wer die Auslastung zu Stoßzeiten im Netzwerk kennt, kann für jede Strecke den optimalen Bedarf ermitteln und so gezielt investieren.

 

6.

Lohnt sich die Investition in neue Kabel und Geräte für mehr Geschwindigkeit?

Oft können schon mit der Bestandsverkabelung höhere Geschwindigkeiten erreicht werden. Schnellere Netzwerkkomponenten werden immer erschwinglicher. Mit jeder neuen Generation von Transceivern und Switchen fallen die Preise bei den etablierten Geräten. Beispielsweise lösen 25 Gb/s gerade 10 Gb/s als bevorzugte Geschwindigkeit bei den Standard-LAN-Schnittstellen für Server ab. Auch 40, 50 und 100 Gb/s sind bereits verfügbar und werden für Top-of-Rack und Switch-to-Switch-Verbindungen nicht nur in Rechenzentren, sondern auch in deutlich kompakteren Datenverteilern mittelständischer Unternehmen verwendet. Der 200-Gb/s-Standard folgt in Kürze. Nur aber wer die Auslastung zu Stoßzeiten im Netzwerk kennt, kann für jede Strecke den optimalen Bedarf ermitteln und so gezielt investieren. Viele Kunden machen im Zuge einer Erneuerung aktiver Komponenten einfach pauschal den nächsten Geschwindigkeitssprung, ohne eine empfohlene Messung oder einer Analyse mithilfe eines aussagekräftigen Netzwerk-Management-Systems. Video-Conferencing und vMotion sind nur zwei der Anforderungen, weswegen Kunden bei den Bandbreiten lieber auf Nummer sicher gehen. Auch eine Optimierung der Konfiguration kann ohne eine Änderung vorhandener Hardware zu einer Entlastung der Systeme führen, was durchaus effizienter sein kann.

 

7.

Ist Gigabit noch State of the Art für Endgeräte? .

Manche Endgeräte sind auch noch mit einer Bandbreite von 100 Mbit/s ausreichend schnell angebunden – also ja. Oft stellen aber die Verbindungen zu den zentralen Datenverteilern Flaschenhälse dar. Ist ein Unterverteiler nur mit 1 bis 2 Gigabit angebunden, so teilen sich alle Endgeräte diese Bandbreite. Versorgt der Switch dann auch noch Access Points, so belegt der WLAN-Verkehr zusätzlich Bandbreite auf den Uplinks der Switches. Die Geschwindigkeitsvorteile neuer Wireless-Standards verpuffen dann schon einmal im nächsten Netzwerkschrank.

 

8.

Ist 10 Gigabit Base-T nicht die günstigere Alternative für die Serveranbindung?

Das kann durchaus sein. Nicht alle Hersteller bieten dafür aber passende Geräte. Wer eine aufwändige Verkabelung umgehen will, setzt auf ein Top-of-Rack-Design aus jeweils zwei Switchen, die das Rack redundant mit Datenanschlüssen versorgen. Sollen im Rack auch Server mit LWL angebunden werden, so stehen je Switch nur sehr begrenzt Anschlüsse zur Verfügung. Modulare Systeme auf einer Höheneinheit können eine clevere Lösung darstellen. Manchmal ist der Verzicht auf 10G-Base-T zu Gunsten einheitlicher LWL-Verbindungen bei Einsatz von weniger Netzwerk-Hardware dann doch wieder effizienter.

 

Die Geschwindigkeitsvorteile neuer Wireless-Standards verpuffen schon einmal im nächsten Netzwerkschrank.

 

9.

Wo wird derzeit aus Ihrer Sicht noch Potenzial verschenkt?

Geräte mit 40 Gigabit und schneller werden im Vorfeld meist aus Kostengründen abgelehnt, da für derartige Geschwindigkeiten häufig noch nicht der Bedarf gesehen wird. Allerdings lässt sich ein 40-Gb-Port bei vielen Switch-Systemen in vollwertige 4x10-G-Ports splitten. Mit einem Fanout/Breakout-Panel kann dann im Serverraum plug-and-play nachverkabelt werden. Das Spleißen durch den Elektriker entfällt innerhalb des Raums. Der teurere 40G-Switch mit 32 Ports ersetzt damit zwei bis drei 48-Port 10GE-Switche. Das lohnt sich meist schon in der Anschaffung und erst recht beim Service und Support. Mit Adaptern bieten manche Hersteller 100/50/40/10 und 1-Gigabit-Anschlüsse, plus Kupfer-Interfaces, in nur einem Gerät.

 

10.

Wie finde ich mich im Dschungel der Transceiver, Kabeltypen und technischen Vorgaben zurecht? .

Datenblätter der Hersteller muss man schon gezielt suchen und genau studieren, um sich ein Bild über die Möglichkeiten zu verschaffen. Nicht jeder Transceiver wird in jedem Gerät unterstützt. Neben den standard-basierten haben manche Hersteller auch eigene Transceivertypen im Programm, um spezielle Anforderungen abzudecken. Diese sind dann aber nicht mit Lösungen von anderen Herstellern kompatibel oder der Service und Support wird nicht garantiert.

 

Ansprechpartner.

Christian Priske
Presales Networking Solutions
christian.priske@bechtle.com

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