Digitalisierung: Wir sind dann so weit.

Dreijährige Kinder versuchen, mit Wischbewegungen durch Zeitschriften zu navigieren. Manche Spitzenmanager hingegen lassen ihre Sekretärin E-Mails ausdrucken. Zwischen Altersgruppen liegen oft Welten, aber auch zwischen Branchen oder Berufsbildern sind der Stand und die Standards der Digitalisierung unterschiedlich. Bei vielen, die sich zögerlich verhalten, spielt nicht zuletzt Verunsicherung eine Rolle: Was ist nötig, was ist möglich? Welche Grundlagen gilt es zu schaffen? Und worin bestehen die Erfolgsfaktoren einer zukunftsfähigen Digitalisierung?

 

Ein digitales Meer an Echtzeitdaten auf der „Ars Electronica“: Der Künstler Mathieu Le Sourd alias maotik hat die Bewegungen des Meeres eingefangen und in eine begehbare interaktive Visualisierung übertragen.

 

Was haben Sie zu verkaufen?

In Imagebroschüren und auf den Websites von Unternehmen stehen immer „die Kunden im Mittelpunkt“. Mit der Realität hat das oft nur wenig zu tun. Vielmehr werden Produkte und Dienstleistungen häufig am grünen Tisch entwickelt. Man fragt sich lieber selbst, als den Dialog mit Kunden zu suchen. Das ist aber heute ein Muss – und eine Riesenchance. Je jünger, desto mehr sind wir daran gewöhnt, jederzeit per Smartphone fast jedem beliebigen Konsumwunsch nachzugehen. Unsere Suchmaschinen beantworten die ausgefallensten und individuellsten Anfragen – und wir sind bereit, die nötigen Daten dafür zu liefern. Ein Geschenk für alle Anbieter, die diese Daten verarbeiten können. Denn Bedürfnisse zu kennen und zu verstehen ermöglicht tatsächlich, die Kunden in den Mittelpunkt zu stellen und die richtigen Angebote zu machen. In passenden Ausprägungen, auch kleinen Auflagen und stark individualisiert. Kundenzentriertheit steht im Fokus der Digitalisierung: Darauf zielt sie ab und dafür ist sie gleichzeitig die Voraussetzung. Wir suchen die Kommunikation mit Kunden an allen denkbaren Berührungspunkten, von denen viele online zu verorten sind. Wobei Kunden zunehmend auch Maschinen sind, mit denen man gar nichts anderes als Daten austauschen kann.

 


Grundlegende Einstellungen.

Erfolgreicher Digitalisierung liegt zugleich die Haltung zugrunde, aufrichtig und konsequent einer neuen Wertelogik zu folgen. Das mag bisherige Perspektiven auf den Kopf stellen oder als Spagat zwischen herkömmlichen und zukünftigen Erfolgsmodellen erscheinen. Dabei muss man sich nicht verbiegen, aber Beweglichkeit hilft, um auf Dauer flexibel, agil und wandelbar zu sein. Zu den Aufgaben der Führung zählt, alle Mitarbeiter mitzureißen, den organisatorischen Rahmen und die technologischen Voraussetzungen zu schaffen. Digitalisierung ist zukünftig Tagesgeschäft aller Unternehmensbereiche, die dabei mitgestalten können und sollen. Denn Maschinenführer und Gabelstaplerfahrer wissen aus erster Hand, was in Produktion und Logistik läuft, und können wertvolle Impulsgeber sein.

 

DSC03637_2

Das Projekt hinter den Fotos in diesem Artikel: ein digitales Meer an Echtzeitdaten auf der „Ars Electronica“.


Alles geht kreuz und quer.

Zur Digitalisierung gehört Offenheit in jede Richtung. Strikt getrennte Abteilungen und festzementierte Hierarchien sind Misserfolgsgaranten. IT und Fachbereiche tun sich zusammen, es wird horizontal und vertikal kooperiert, für bestimmte Aufgaben bilden sich temporäre Teams. Auch Partner von außerhalb der Organisation kommen dazu, sogar Wettbewerber sind nicht ausgeschlossen, um bei großen Herausforderungen gemeinsame Sache zu machen. Es wirken lebendige Ökosysteme, die bei Bedarf zusammenfinden und anschließend auseinandergehen. Dabei sind enge Partnerschaften keine Ausnahme; nur gründen sie nicht auf alten Gewohnheiten, sondern auf immer neuen Erfolgen.

Offenheit und Flexibilität werden natürlich auch technologisch abgebildet. IT-Infrastrukturen und Anwendungen müssen immer bedarfsgerecht verfügbar sein. Eigene physische Ressourcen werden aufgeräumt und mit externen Kapazitäten verbunden – als hybride Lösungen. Undurchschaubar gewachsene IT-Landschaften als Wurzeln von Intransparenz, Unproduktivität und wuchernden Kosten gehören damit der Vergangenheit an. Hybride Multi Clouds bieten demgegenüber klar definierte IT-Leistungen als Service. Von Rechenleistung über Speicher, Betriebssysteme und Datenbanken bis zu Softwareanwendungen aller Art nutzt jeder, was er gerade braucht. Ressourcen können monate- oder minutenweise gebucht werden. Unabhängig voneinander und in beliebiger Kombination. Damit passt das technologische zum organisatorischen Ökosystem. Und so kommen zwei wesentliche Erfolgsfaktoren der Digitalisierung zusammen.

Von Prozessen zu Plattformen.

Leistungsfähige, transparente und bedarfsgerechte IT-Kapazitäten bilden das Rückgrat der Digitalisierung. Je stärker es ausgeprägt ist, desto besser lassen sich Geschäftsprozesse optimieren, Kosten senken, Effizienz erhöhen, Produktivität steigern. Der Weg dahin muss kein besonderer Kraftakt sein, sondern kann planmäßig Schritt für Schritt erfolgen. Wichtig ist, die IT-Landschaft sorgfältig zu vermessen und bei der geordneten Neuanlage konsequent vorzugehen. Die darauf basierenden Prozesse sind wertschöpfender denn je. Beschaffung, Produktion und Logistik waren noch nie so gut steuerbar wie heute mithilfe von Sensoren, Robotern, SCM-Systemen und dem Internet der Dinge. Mit ortsunabhängigem Zugriff auf den IT-Arbeitsplatz kann jeder überall produktiv sein. Innovationen werden in weltweiter Kollaboration immer schneller marktfähig. Ein gepflegtes Customer Relationship Management steigert die Servicequalität, fließt in Produktionsentwicklungen und kanalisiert die Marketingaktivitäten. Smarte Analysetools helfen dabei, aus gewonnenen Daten die richtigen Schlüsse zu ziehen. Allesamt Bausteine einer erfolgreichen Digitalisierung.

Digitale Architektur vereinfacht zudem die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Dafür nötige IT-Ressourcen können ohne Umstände bereitgestellt werden, Teams ruckzuck arbeitsfähig sein, Modelle simulieren, Prototypen bauen oder einfach ausdrucken. Immer mehr, zumal große Unternehmen gründen dafür eigene „Innovation Labs“, die ähnlich wie Start-ups arbeiten.

Die Digitalisierung hat Geschäftsmodelle hervorgebracht, die vor wenigen Jahren noch undenkbar waren: Ohne eigene Fahrzeuge ist Uber in kürzester Zeit zum größten Taxiunternehmen der Welt geworden. Airbnb ist der mit Abstand führende Anbieter von Unterkünften und hat selbst keine Betten, aber dafür vielleicht bald die komplette Reise im Angebot. Und Alibaba, weltweit wertvollster Einzelhändler, kommt ohne Warenlager aus. Allen gemeinsam ist eine mächtige Plattform, die komplett digitalbasiert ist. Diese und andere Plattformen sind reine Marktplätze, die Angebote handeln – und damit zentrale Positionen besetzen. Musik? Spotify. Filme? Netflix. Das und noch viel mehr? Amazon.

Bis in hoch spezialisierte Nischen hinein entstehen immer neue Plattformen. Deshalb heißt es: aufpassen, dass man dadurch nicht vom eigenen Markt abgekoppelt wird. Sondern lieber selbst zur Drehscheibe werden. Gerade Spezialisten, die fokussierte Problemlösungen liefern, können damit viel gewinnen, gegebenenfalls Marktführerschaft auf ihrem Gebiet aus- oder sogar neu aufbauen.

 

Das Team muss stehen.

Alle Unternehmen, Organisationen, öffentlichen Verwaltungen stehen vor derselben Herausforderung – und im Wettbewerb zueinander: um die Menschen, die ihre Digitalisierung voranbringen. Fähige Köpfe sind extrem gefragt und können sich ihre Arbeitgeber aussuchen. Das Jobangebot muss stimmen: Dabei werden Sinnhaftigkeit und Gestaltungsmöglichkeiten immer wichtiger. Wer mit dem großen Geld nicht mithalten, aber spannende Perspektiven bieten kann, hat auch als kleinerer Arbeitgeber Chancen auf einem umkämpften Arbeitsmarkt.

Fest steht: Mitarbeitersuche, -planung und -bindung sind bedeutender denn je, professionelles HR-Management ist ein zentraler Erfolgsfaktor der Digitalisierung. Dazu gehören vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels umso mehr die betriebliche Ausbildung und Qualifikation von Mitarbeitern. Maschinenwesen mit künstlicher Intelligenz sind noch nicht auf unserem Niveau – aber lernen ständig dazu. Dasselbe müssen wir auch tun. Auf allen Gebieten der Digitalisierung. Dann sind wir zukunftsstark.

 

 

 

magazin_digitalisierung_cover_140Dies ist ein Artikel aus dem Bechtle Special Release ZUKUNFTSSTARK zum Thema Digitalisierung. Lesen Sie hier das gesamte Magazin.

Ansprechpartner.

Bechtle update Redaktion
update@bechtle.com

Die ganze Bechtle Welt auf einen Klick – der neue digitale Marktplatz bechtle.com.
WEITERLESEN

AGB, Cybercrime, Datenschutz – über Vertrauen im Internet.
WEITERLESEN

Wie Sie die DSGVO strukturiert umsetzen – Praxisbeispiel Bechtle.
WEITERLESEN

Cybercrime trifft jeden – Milad Aslaner, Spezialist für Cyber Defense bei Microsoft, im Video-Interview.
WEITERLESEN