Auf dem Weg zur Smart City.

Deutschland hat sich auf den Weg zur Digitalisierung kommunaler Dienste gemacht. Die Stadt Bonn ist zum Beispiel schon ziemlich weit. Doch nicht überall geht es schnell voran. Und auch ganz woanders ist man im Aufbruch.

(Bilder: Anne Schönharting)

Jairat, Indien, ein Dienstag im Sommer 2030. Wie an jedem Wochentag ist Lalita Sharma heute um sieben Uhr aufgestanden. Als sie aus dem Bad kommt, ist der Kaffee in der Küche schon fertig, ihr Smartphone hatte die Maschine zur Weckzeit in Gang gesetzt. Die Klimaanlage des Hauses läuft wenige Minuten später an, vollautomatisch gesteuert von Sensoren, die in einer Stunde auch dafür sorgen werden, dass die Jalousien an der Ostseite leise surrend herunterfahren und die Sonne aussperren. Während des Frühstücks packt Lalita die Büchersendung aus, die eine Drohne am Tag zuvor vollautomatisch in der dafür vorgesehenen Box vor der Haustür abgelegt hatte. Dann bricht sie auf.

Auch ihr Weg ins Büro wird von Sensoren und Elektromotoren gesteuert. Dazu muss sie lediglich in der Garage ihr kleines Elektroauto besteigen und auf dem Smartphone eine App aktivieren. Das Garagentor öffnet – und schließt sich hinter ihr wieder. Lautlos und selbsttätig findet das Gefährt den Weg zur Stadtverwaltung und in der Tiefgarage darunter eine der wenigen noch freien Parkbuchten.

 

Es gibt kaum noch Gründe, persönlich zu erscheinen.

Drei Etagen höher führt ihr Weg über leere Flure. Publikumsverkehr gibt es hier nur einmal im Monat, und auch dann hält sich der Ansturm in Grenzen, obwohl Jairat eine halbe Million Einwohner hat und nur dieses eine städtische Verwaltungsgebäude.

Tatsächlich gibt es kaum noch Gründe, hier persönlich zu erscheinen: Ausweis-und Führerscheinanträge, Anmeldungen in Schulen und Kitas, all das läuft nur noch online. Wasser- und Energieversorgung werden zentralgesteuert, Abfalltonnen melden über Sensoren, wann sie geleert werden müssen, anschließend legt eine Lokalisierungssoftware die Routen der Müllfahrzeugefest.

Als Lalita Sharma an ihrem Arbeitsplatz ankommt, ist sie bereits im System angemeldet. Die Programmiererin wird heute weiter an jener neuen Anwendung arbeiten, die Einwohnern ab einem bestimmten Alter automatisiert einen Gesundheitscheck empfiehlt und zugleich mögliche Termine bei einem Arzt in der Nähe vorschlägt – und auf Wunsch auch gleich vereinbart.

Die Stadt Jairat gibt es nicht, und auch eine derart vollständig automatisierte Bürgerverwaltung ist bisher Fiktion. Zwar existieren viele der beschriebenen Innovationen und Technologien, aber sie finden sich nicht gemeinsam in einer einzigen Smart City, sondern auf der ganzen Welt verstreut: die eine Lösung hier, die andere dort. Indien ist das erste Land, das solche Ideen systematisch zusammenführen möchte. Mit einer Investition von 6,5 Milliarden Euro sollen 100 Kommunen zu integrierten Smart Cities entwickelt oder sogar neu gebaut werden. Mit dem übergeordneten Ziel, urbane Räume effizienter, gesünder, sauberer, lebenswerter zu machen.

smart_cityDie E-Akte von Bechtle.
Wussten Sie, dass Verwaltungsmitarbeiter durchschnittlich 72 Prozent ihrer Arbeitszeit Outlook nutzen? Was wäre also benutzerfreundlicher als eine elektronische Aktenführung und die Microsoft OfficeSuite zu verbinden? „A 365 Maverick“macht genau das. Die Eigenentwicklung von Bechtle ermöglicht Mitarbeitern der öffentlichen Verwaltungen, auf ihre gewohnten Benutzeroberflächen zuzugreifen. Bund, Länder und Kommunen können so die E-Akte in bestehende Systeme einfach integrieren. Am Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung läuft „A 365“ schon.

Am Ende geht es um eine höhere Lebensqualität.

Natürlich arbeiten auch europäische Städte an dieser Vision. Barcelona zum Beispiel misst die Feuchtigkeit der Böden seiner Parks mit Sensoren, deren Daten mit der Wettervorhersage abgeglichen werden, um dann stets genug, aber nie zu viel Wasser in die Grünanlagen zu gießen.

In Santander, das mit Hilfe der EU zu einer Art Smart City-Labor wird, melden sich freie Parkplätze durch Sensoren bei Autofahrern und Straßenkreuzungen teilen mit, wenn die Luftverschmutzung ungesunde Ausmaße annimmt.

Der Bedarf an solchen Konzepten ist groß, und er wird weiter steigen. Im Jahr 2050 leben 80 Prozent aller Menschen in Ballungszentren, glaubt die UN. Auch in Deutschland wachsen die (meisten) Metropolen weiter, der ländliche Raum verliert.

Ziel ist ein spürbares Plus an Lebensqualität für alle. Nur damit lässt sich die notwendige Akzeptanz herstellen, ohne die sich Digitalisierung und E-Government nicht durchsetzen können. Und Lebensqualität, das bedeutet in diesem Zusammenhang, als Bürger möglichst viel via Internet mit dem Amt zukommunizieren und möglichst wenig auf Behördenfluren herumzusitzen.

Eine ganze Reihe deutscher Städte hat sich diesem Ziel schon angenähert und bietet gute digitale Bürgerservices. Zum Beispiel Bonn: Die ehemalige Bundeshauptstadt belegte 2016 bei einem Praxisvergleichder grünen Landtagsfraktion von 396 Kommunen in NRW gemeinsam mit Köln den ersten Platz – und lag zuvor schon einmal beim bundesweiten E-Government-Ranking von McKinsey vorne.

 

Ein digitaler Hub soll die ganze Region vernetzen.

Bonner Bürger können unzählige Formulare online herunterladen, ein Wunschkennzeichen fürs Auto bestellen oder eine größere Mülltonne, dem Energieversorger ihre neue Adresse mitteilen und die in der Stadtbibliothek entliehenen Bücher per Internet verlängern. Außerdem kommuniziert die rheinische Stadt mehr als andere mit ihren Bewohnern über Entscheidungsprozesse: Wer eine Straße mit unzähligen Schlaglöchern meldet, kann anschließend online nachverfolgen, ob und wann der Schaden repariert wird. Vorbildlich auch die Bürgernähe durch Open Data: Bonn stellt viele Daten ins Netz, die Städte noch vor wenigen Jahren eher ungern teilten: zum Beispiel Bebauungspläne, Positionspapiere von Parteien im Vorfeld politischer Entscheidungen, Daten von Lärmmessungen und vieles mehr. Jenseits dieser E-Government-Angebote der Stadt entsteht gerade ein „Digitaler Hub“ für die Region, als Netzwerk aus Wissenschaftlern, Gründern, Investoren und ortsansässigen Unternehmen, das Talente, Ideen und Geld zusammenbringen will.

Obwohl es die Initiative erst seit Mitte April 2016 gibt, existieren schon mehrere konkrete Projekte: Beim „Smart Lighting“ erarbeiten die Partner neue Geschäftsmodelle für den flächendeckenden Einsatz intelligenter Straßenlaternen, ein anderes Team gründete das „Labor für Sensorik im öffentlichen Raum“. Jeder erfindet das Rad neu.

Neben Bonn gibt es in Deutschland zwar noch eine ganze Reihe anderer Städte, die ihren Bürgern zeitgemäße, funktionierende E-Government-Services anbieten. Aber insgesamt besteht bei diesem Thema durchaus noch Nachholbedarf: Im jüngsten E-Government Ranking der EU fiel die größte Volkswirtschaft des Kontinents hinter Italien auf Platz 18 zurück.

 

Deutschland im E-Government Ranking der EU auf Platz 18.

Deutschland leidet unter einem Umsetzungsdefizit, darunter, dass technische und organisatorische Lösungen existieren, sie aber nicht flächendeckend in den Behörden ankommen. Hauptgrund dafür ist der Föderalismus. Es gibt keinen Masterplan und keine zentrale Steuerung, Länder und Gemeinden können weitgehend autonom agieren – oder eben gar nicht. Und wer von ihnen aktiv wird, der erfindet das Rad gern neu. So hat zum Beispiel jedes Bundesland sein eigenes Internetportal entwickelt, was dazu führte, dass die Systeme weder untereinander noch mit denen des Bundes durchgehend kompatibel sind. Wer in eine andere Region zieht, muss sich deshalb in der Regel auch an eine neue Servicelandschaft, neue Formulare und neue Abläufe gewöhnen.

Dass jede Kommune ihr eigenes Süppchen kocht, ist nicht nur unpraktisch, sondern auch immens teuer. Der Nationale Normenkontrollrat (NKR) – eine Art staatliche Entbürokratisierungsstelle – hat errechnet, dass von den 13 Milliarden Euro für die öffentliche Verwaltung mit besserem, konsequenterem E-Government drei bis vier Milliarden eingespart werden könnten. Wie wirkungsvoll Digitalisierung in diesem Bereich sei, so der NKR, bewiesen die Finanzämter; sie hätten durch die Online-Kommunikation mit Unternehmen seit 2010 etwa vier Milliarden Euro weniger ausgegeben.

 

smart_city_2Hochsicherheitsspeicher mit Bechtle.
Mit Workshops und einer fundierten Marktstudie half Bechtle dem Infrastruktur- und Telekommunikationsanbieter FALZKOM|MANET, ein neues, zukunftsstarkes Cloud-Angebot zu konzipieren. Das Ergebnis war eine hochsichere Storage-as-a-Service-Lösung, die als Rhein Neckar Cloud realisiert wurde. Sie entspricht genau dem Bedürfnis nach größtmöglicher Sicherheit bei der Nutzung von Cloud-Lösungen. Eine typisch deutsche Tugend, die den Unterschied zu vielen Cloud-Produkten anderer Anbieter ausmacht. Für kritische Daten und damit auch besonders für öffentliche Einrichtungen ist die Rhein Neckar Cloud eine sichere Bank.

E-Akte: Das Ende der Aktenberge.

Der Wandel fängt ausgerechnet da an, wo man sich ihn am schwersten vorstellen kann: bei den Gerichten. Dort, wo Akten der Stoff sind, aus dem erst Verfahren entstehen und irgendwann Prozesswahrheiten. Genau dieser Stoff wird verschwinden, jedenfalls in seiner physischen Form.

Gerichte sind hierzulande Vorreiter für die Einführung der E-Akte. Ab 2018 haben Anwälte ein elektronisches Anwaltspostfach, von 2022 an muss die Kommunikation mit den Gerichten darüber erfolgen.

In NRW soll die E-Akte bereits 2018 obligatorisch werden, jedenfalls ist das der Plan. Am Landgericht Bonn hatten zwei Kammern schon 2015 den papierlosen Pilotbetrieb aufgenommen. Digitale Gerichtsakten sind ähnlich sortiert wie in einem analogen Schrank, allerdings ist nicht nur das Suchen, sondern auch das Arbeiten damit deutlich komfortabler.

Was langfristig die Abläufe verbessert und beschleunigt, sorgt in der Übergangsphase allerdings eher für mehr Arbeit, schon weil Papierakten massenhaft eingescannt werden müssen. Auch dafür zu sorgen, dass die Systeme der Bundesländer untereinander kompatibel sind, dürfte nicht trivial sein.

Abgesehen von den Gerichten sollen bis 2020 auch alle Bundesbehörden und ihre 200.000 Angestellten mit der E-Akte arbeiten.

Die E-Akte ist Teil der „IT-Konsolidierung Bund“, des größten Projekts dieser Art in der bundesrepublikanischen Verwaltungsgeschichte. Hintergrund ist die Erkenntnis, dass die IT-Landschaft des Bundes in ihrer gewachsenen Struktur den aktuellen Herausforderungen der Digitalisierung nicht mehr gewachsen ist. Weitreichende organisatorische und technische Maßnahmen sollen die Systeme zukunftsfähig machen. So ist unter anderem geplant, den IT-Betrieb der Bundesverwaltung bis 2022 stufenweise zu bündeln. Koordinieren soll das 2016 gegründete Informationstechnikzentum Bund (ITZBund) in Bonn. Dass unsere öffentliche Verwaltung ihre Konsolidierungs- und Digitalisierungsziele langfristig erreichen wird, daran zweifeln Beobachter und Beteiligte nicht. Die Frage ist, wann?

Denn die anstehenden Aufgaben sind enorm komplex. Zudem ist es immer schwierig, große, bisher eigenständige, selbstbewusste Körperschaften zusammenzuführen. Mehr denn je muss bei diesem Prozess deshalb der Grundsatz gelten: Der Weg ist das Ziel.

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Bechtle update Redaktion
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